Neue Geschichten. Neue Verbindungen.
Bibuła, Voyagers Rückkehr und frische 8-Bit-Ideen
Eine Untergrundzeitung im Adventure, ein wiederbelebter Amiga-Browser und präzisere Emulation: Diese Woche reicht die Amiga-Szene von ungewöhnlichen Spielideen bis zur Pflege vertrauter Werkzeuge. Dazu kommen ein Spectrum-Abenteuer mit Verantwortung, explosive Labyrinthe auf MSX und ein aktualisierter Terminblick auf die Atari-Zeichenkunst.
Bibuła: Eine Untergrundzeitung statt des nächsten Endgegners
Polen im Frühjahr 1982: Nach dem Ausschluss von der Universität und der Internierung des Großvaters soll eine kleine Gruppe eine Untergrundzeitung auf die Beine stellen. Bibuła übersetzt diese Ausgangslage in ein mausgesteuertes Adventure. Material für einen improvisierten Vervielfältiger beschaffen, Mitstreiter gewinnen und die erste Ausgabe verteilen: Die Handlung setzt auf Gespräche und Alltagsgegenstände. Das von Beniamin Muszyński geschriebene und von Grzegorz Gałęzowski umgesetzte Projekt entstand auch als Unterrichtshilfe.
Seit dem 2. November stehen Downloads bereit; die Projektseite kennzeichnet das Spiel weiterhin als „In development“. Für den A500 nennt sie ein Megabyte RAM und Kickstart 1.3, für die separate AGA-Fassung zwei Megabyte Chip-RAM und Kickstart 3.0; beide setzen PAL voraus. Daneben gibt es Atari-ST- und DOS-Versionen. Die Amiga-Fassungen wurden laut Autor bislang in WinUAE geprüft. Ein eigener Hardwaretest liegt uns nicht vor. KI-Unterstützung bei Code, Grafik und Ton ist ausgewiesen. Interessant ist vor allem der Ansatz, historische Lebensumstände durch konkrete Aufgaben erfahrbar zu machen.
Voyager kehrt zurück – mit klaren Grenzen beim modernen Web
Das amigazen project hat den freigegebenen Quellcode des klassischen Browsers Voyager wieder aufbereitet. Die am 4. November gemeldete Beta 3.5.3 richtet sich zunächst an klassische 68k-Amigas. Laut Projekt wurden der Bau aus den Quellen und zahlreiche Laufzeitprobleme angegangen. HTTPS funktioniert über AmiSSL oder ersatzweise das mitgelieferte AmiTLS; außerdem wurden Druckfunktionen vervollständigt und Fehler bei PNG-Transparenzen sowie breiten Tabellen behoben. Ein Keyfile ist nicht mehr erforderlich.
Die entscheidende Einordnung liefert das Projekt selbst: Voyager bleibt ein Browser seiner ursprünglichen Generation. Die Dokumentation nennt ausdrücklich fehlendes CSS und erhebliche Grenzen bei JavaScript und DOM-Funktionen. Eine verschlüsselte Verbindung bedeutet also noch nicht, dass heutige Webseiten korrekt dargestellt werden. Spannend ist die Wiederbelebung als benutzbare und weiter pflegbare Amiga-Software – insbesondere für einfache Webseiten und entsprechend gestaltete Szeneangebote. Wer einen vollwertigen Ersatz für aktuelle Desktop-Browser erwartet, würde der Beta eine Aufgabe zuschreiben, die sie nicht verspricht.
vAmiga 5.0: Kleine Timingkorrektur mit konkretem Hintergrund
Dirk Hoffmann hat am 1. November die finale Version 5.0 seines Amiga-Emulators veröffentlicht. Eine neue Option namens CPU_START_DELAY verschiebt den CPU-Start gegenüber dem emulierten Bildschirmstrahl. Laut Versionshinweisen verhindert das bei bestimmten Speicherkonfigurationen einen Timingkonflikt in der PAL-/NTSC-Erkennung von Kickstart 1.3. Außerdem ist eine versehentlich entfallene Korrektur für ADF-Spurlängen wieder enthalten.
Auch im Alltag wurde nachgebessert: Die automatische Warp-Funktion erhielt eine überarbeitete Aktivierungsbedingung, das Schließen ungespeicherter Instanzen funktioniert zuverlässiger und das Performance-Profil überschreibt gespeicherte Vorgaben zur Kollisionserkennung nicht mehr. Hinzu kommen eine bereinigte öffentliche Programmierschnittstelle und ausführliche API-Dokumentation. Für Mac-Nutzer ist das ein nachvollziehbares Pflegeupdate mit konkreten Fehlerkorrekturen; aus der runden Versionsnummer allein lässt sich dagegen kein pauschaler Geschwindigkeitsgewinn ableiten.
Kizuna: Ein Ninja muss mehr können als kämpfen
Xeifs Kizuna erzählt ein Action-Adventure in der Bildsprache eines schwarz-weißen Comics. Ninja Hanzo soll das Mädchen Hana in Sicherheit bringen. Daraus entsteht eine konkrete spielerische Einschränkung: Solange er sie trägt, kann er nicht angreifen. Vor einem Kampf muss deshalb ein sicherer Platz gefunden werden. Hana verträgt keinen Treffer – und selbst Hanzos Schwert kann ihr gefährlich werden.
Die am 1. November veröffentlichte Spectrum-Fassung wird mit englischen, spanischen und portugiesischen TAP-Dateien angeboten. Der Entwickler kennzeichnet das Spiel als ohne generative KI entstanden. Für eine spätere Besprechung wäre besonders interessant, wie gut Schutzaufgabe, Kämpfe und gemeinsame Rätsel ineinandergreifen. Ein Urteil über Fairness oder Schwierigkeitsgrad wäre ohne eigenen Durchlauf verfrüht; die dokumentierten Regeln geben aber einen guten Grund, genauer hinzusehen.
Pac Bomber mischt Labyrinthjagd und Bombengefahr
Pac Bomber von msxnake wurde am 2. November als Beitrag Nummer 15 des MSXdev26 vorgestellt. Im vertikal scrollenden Labyrinth trifft das vertraute Pillensammeln auf Gegner, die Bomben einsetzen. Damit geht es nicht nur darum, Verfolger abzuschütteln: Explosionsgefahr kann scheinbar sichere Wege versperren. Auch die eigene Figur ist laut Wettbewerbsvorstellung bewaffnet.
Der Veranstalter nennt MSX1 mit 16 Kilobyte RAM als Voraussetzung und führt ein 64-Kilobyte-ROM. Die Mischung aus zwei bekannten Arcade-Prinzipien macht den Titel zu einem passenden Kandidaten für eine kurze Spielvorstellung. Die Aufnahme in den Wettbewerb ist allerdings noch keine Auszeichnung und keine Qualitätswertung. Für die Heftredaktion wäre ein Vergleich der tatsächlich entstehenden Spielsituationen ergiebiger als die bloße Frage, welchem Klassiker das Spiel ähnelt.
ATASCII Compo: Die aktuelle Terminseite zählt
Die sechste ATASCII Compo widmet sich Kunst aus dem Zeichensatz der Atari-Rechner und findet online statt. Für den aktuellen Überblick ist vor allem der Abgleich der Termine wichtig: Ältere Ankündigungen nannten den 9. November als Einsendeschluss. Die jetzt abrufbare Veranstalterseite nennt dagegen den 23. November 2026 um 18 Uhr MEZ.
Die Präsentation der Beiträge ist dort für den 27. November um 19 Uhr vorgesehen, die Abstimmung läuft bis zum 30. November um 23:59 Uhr; Ergebnisse sollen am 2. Dezember um 19 Uhr folgen, jeweils MEZ. Sieger stehen damit noch nicht fest. Für eine spätere Bildstrecke im Heft bietet der Wettbewerb einen reizvollen Ansatz: Wie entstehen mit einem begrenzten Vorrat an Zeichen erkennbare Formen, Tiefe und Stimmung? Bildrechte wären dafür gesondert mit den Künstlern zu klären.


